Ausstieg vom Ausstieg
Juli 8, 2008
von britta
Hallo,
ich hab mich heute morgen am Frühstückstisch mal wieder aufgeregt, nachdem ich die Zeitung aufgeschlagen hatte. Die CDU versucht rechtzeitig für den Wahlkampf den Klotz “Aomaustieg” an ihrem Bein loszuwerden und will sich damit auch noch als große Klimaschutzpartei darstellen. Und die SPD macht mit ihren neusten Äußerungen tatsächlich die Laufzeiten von AKWs zu Verhandlungsmasse, Eppler will die AKWs länger laufen, wenn dafür das Neubauverbot ins Grundgesetz kommt.
Bei der FR ist ein Artikel online, der alle guten Argumente gegen Atomkraft nochmal zusammenfasst:
Entry Filed under: Bundespolitik. Schlagworte: Atomkraft, Große Koalition.
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1. Marcus | Juli 8, 2008 at 11:02
Sehr passend dazu auch ein Interview, das Jürgen Trittin heute im Morgenmagazin gegeben hat. Es ist ein sehr interessanter Gedanken: Die Regierung stärkt die vier Monopolisten, die dann durch den zerstörten Wettbewerb die Preise anziehen!
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video344414.html
2. Philipp Matern | Juli 8, 2008 at 12:29
Etwas stört mich allerdings am FR-Artikel: Klar wird Strom nicht durch Laufzeitverlängerung billiger aber durch Abschalten der AKW würde er (unter der Prämisse, dass sich sonst nichts verändert) natürlich teurer werden, Grenzkostenprinzip hin oder her. ( An der Strombörse wird ja längst nicht alle erzeugte Energie gehandelt. Schade übrigens für die Solarenergie, denn der durch diese erzeugte Strom ist, da i.d.R. zur Spitzenlastzeit mit geringen Kosten generiert, besonders günstig). Dies schon allein deshalb, weil die Energieversorger zur Erzeugung der annähernd gleichen Menge benötigter Energie ohne Schrottmeiler mächtig investieren müssen. Diese Investitionen werden sie an die Verbraucher weitergeben. Dass sie dies können zeigt schon die aktuelle Entwicklung, wo gar nicht vorhandene Mehrkosten fröhlich weitergegeben wurden.
Das große nämlich nicht erwähnte Problem ist, dass sich die Art und Weise der Energieerzeugung an sich ändern muss. Wenige zentrale Großkraftwerke betrieben von wenigen, mächtigen Großkonzernen sind ja das Problem, welches Strom teuer und AKWs scheinbar effizient macht. Ansonsten fällt mir dazu dies hier ein: http://ahoipolloi.blogger.de/stories/1170017/
3. Philipp Matern | Juli 8, 2008 at 15:10
Jetzt habe ich mir auch mal das Video mit Jürgen Trittin ansehen können (ging vorhin in der Bibliothek nicht). Ich finde zwar auch, dass dies Szenario realistisch ist, allerdings wird der Atomausstieg die Monopolisten auch nicht entscheidend schwächen. Bereits jetzt steht ja schon mehr oder weniger fest, wer wie für die abgeschalteten AKWs in die Bresche springen soll. Es werden ja schon fleißig jede Menge Kohlekraftwerke geplant. Und wer wird dann wohl mit welchen Argumenten weiter fleißig die Preise erhöhen? Und erhöhen können, weil Wettbewerb in der Praxis nicht stattfindet?
4. oko | Juli 9, 2008 at 21:33
Hihi, typisch SPD. Wenn’s hart auf hart kommt, fallen Sozialdemokraten immer um. Erinnert sich noch jemand, wie die plötzlich der faktischen Abschaffung des Asylrechts zugestimmt haben?
Finde es schon erstaunlich, dass sie so lange quasi “unsere” Atom-Position vertreten haben. Denn was ist denn drin für sie? Wem der Ausstieg wirklich am Herzen liegt, der wählt eh Grün. Für billigere Strompreise werden die was opfern bei diesen Umfragewerten…
5. fabian | Juli 10, 2008 at 15:08
Was ich bemerkenswert finde ist, dass Gesine Schwan sich für längere Laufzeiten von Akw’s und gegen eine Verankerung des Atomausstiegs im Grundgesetz ausgesprochen hat. Das finde ich absolut falsch von ihr! Besonders die Begründung, eine Laufzeitverlängerung würden „den Druck von uns nehmen, über Alternativen zur Kernkraft nachzudenken“ steht ja wohl ziemlich diametral zu den Forderungen der Grünen.
http://www.focus.de/politik/deutschland/atomkraftwerke-schwan-fuer-laengere-laufzeiten_aid_316863.html
6. Philipp Matern | Juli 10, 2008 at 17:56
In dem Fokusartikel steht zudem eine äußerst umstrittene Zahl: Die 50 Milliarden Euro Einsparung bei längeren Laufzeiten beziehen sich auf den reinen Erzeugungspreis. Dieser war niemals ausschlaggebend für den Endpreis und wird es auch niemals sein. Im Gegenteil, siehe zB hier: http://www.klima-luegendetektor.de/2008/07/09/bild-rwi-windige-zahlen-fur-die-atomkraft/
Ich bin ebenfalls Schwans Meinung was die Verankerung des Ausstiegs im GG betrifft, allerdings aus anderen Gründen: Struck und Eppler tauschen mit der CDU für längere Laufzeiten etwas ein, was sie schon längst haben: Den Ausstieg. Dieser muss schließlich gar nicht ins GG, es würde schon völlig reichen wenn die Sozialdemokraten ausnahmsweise mal den Kopf zumachen und Rückrat beweisen würden. So aber zeigt sich nur, wie empfänglich auch die SPD für die Lobbyisten ist. Diese würde ein Eintrag ins GG gar nicht jucken, denn im Grunde will auch die Industrie zZt keine neuen AKWs. Alte Meiler dagegen sind tolle Cash-Cows, die ordentlich gemolken werden sollen. Soziale Verantwortung ist dabei völlig egal.
7. Daniel | Juli 10, 2008 at 23:28
Die taz hilft den Zweiflerinnen und Zweiflern: “So bleiben sie AtomkraftgegnerIn”
http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/so-bleiben-sie-atomkraftgegner/
8. oko | Juli 11, 2008 at 7:55
“es würde schon völlig reichen wenn die Sozialdemokraten ausnahmsweise mal den Kopf zumachen und Rückrat beweisen”
Lass Dir von einem alten Sack sagen: Das können die nicht. Deshalb, und weil die ganze Partei ein Loser-Image ausstrahlt, hab ich wirklich wenig übrig für unseren Lieblings-Koalitionspartner.
9. oko | Juli 11, 2008 at 7:55
Achso: Flyer designen können die aber zumindest. Wenn ich da an unsere Bleiwüsten denke…
10. Marcus | Juli 11, 2008 at 16:42
Da das hier schon der zehnte Kommentar zu dem Thema ist, wird mal wieder bestätigt, wie wichtig den Kakteen der Atomausstieg ist:-)
Hier noch weitere Argumente gegen die Atomkraft. Diesesmal von unserer Mutterpartei:
http://www.gruene-bundestag.de/cms/default/dokbin/242/242099.argumente_gegen_die_atomluege.pdf
11. Philipp Matern | Juli 12, 2008 at 18:28
Wurde mir zugetwittert und ich willst nicht vorenthalten: Die verbliebenen AKWs: Eine Galerie http://www.zeit.de/online/2008/29/bg-akws?1
12. Hanno | Juli 14, 2008 at 13:47
Hey lieber KAKTUS,
gestern im Presseclub war ne interessante Diskussion zum Ausstieg vom Ausstieg… hört es Euch an, wenn Ihr mögt, die FAZ-Frau ist so entlarvend schlecht, das macht richtig Spaß =)
http://podcast.wdr.de/presseclub.xml
13. britta | Juli 15, 2008 at 17:30
Wenn uns alle Menschen wählen, die am Atomausstieg festhalten wollen, kriegen wir nächstes Jahr bei der Bundestagswahl mindestens 46%!
Das wird ein Spaß
14. Philipp Matern | Juli 16, 2008 at 12:23
Interessante Fotoserie im Stern-Onlineangebot: Berühmte Reaktor- und Atommüllunfälle http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:Reaktorunf%E4lle-Von-Katastrophen-Beinahe-Ungl%FCcken/592861.html?backref=%2Fwirtschaft%2Funternehmen%2Fmaerkte%2F%3AAtomausstieg-Das-M%25FCllproblem%2F631301.html