Ein selbstverwaltetes Zentrum für Münster!

März 16, 2009

von Fabian

Nach der Kappung der Hausanschlüsse für die besetzten Häuser in der Grevener Str. scheint es so, dass die städtische Wohn+Stadtbau GmbH nun auf Druck der CDU/FDP-Koalition den Abriss der Häuser angehen wird. Es besteht die Gefahr, dass nach einer Räumung die berechtigten Anliegen der BesetzerInnen (mal wieder) in Vergessenheit geraten. Sie haben in den letzten Monaten und Jahren den Finger in gleich mehrere offene Wunden dieser Stadt gelegt.

Da wäre einmal die Forderung nach mehr sozialem Wohnraum. Es ist kein Geheimnis, dass Wohnungen in Münster immer noch Mangelware sind, auch wenn die Zeiten, in denen die Erstis vor dem Schloss campen mussten, angeblich der Vergangenheit angehören (ich kenn trotzdem Leute, die das mussten). Besonders Wohnraum für sozial benachteiligte – und dazu zählt man in diesem Falle auch schon als normale Familie – hat man es schwer, will man nicht in der berüchtigten Nordwestschleife von Kinderhaus landen. Diese Stadt braucht deutlich mehr Wohnungen und ganz besonders Sozialwohnungen! 

Die zweite Forderung der BesetzerInnen betrifft ein selbstverwaltetes Zentrum, in dem Schulungen (z.B. zum Thema Rassismus) sowie kulturelle Veranstaltungen und Partys veranstaltet werden sollen. Leider wird mir persönlich bei dieser Frage zu bourgeoise diskutiert. Statt zu fragen, „was brauchen wir?“, wird immer nur gefragt, was das bloß alles kosten mag. Natürlich ist die Kostenfrage wichtig, aber sie darf nicht am Anfang einer Diskussion stehen. Denn dadurch vergisst man schnell, dass die Alternative-Szene nach dem Wegfall der Baracke, des Versetzt und der zunehmenden Aufwertung des Hawerkamps einfach ein Zuhause fehlt. So tolle Sachen, wie z.B. das Aasee-Ufer mit Luxus-Restaurants zu verschandeln, dürfen gerne was kosten und die Stadt verzichtet großzügig auf Grundstückserlöse. Aber für alles, was nicht mehr zu dieser Schickimicki-Rubrik gehört, ist kein Geld da. Das kann ja wohl auch nicht sein! 

Vielleicht sind die von den BesetzerInnen geforderten 1000-1200qm für ihr Zentrum in Münster tatsächlich utopisch, weil es sie einfach nicht (mehr) gibt. Dann sollte man Alternativen prüfen. Die Notwendigkeit eines solchen Zentrums ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen! Eine Stadt wie Münster, studentisch geprägt, knapp 300.000 Einwohner ohne Alternativkultur? Wie soll das bitte schön gehen? Auch der Mainstream braucht die Subkultur, um sich an ihr zu reiben. Nur dadurch entsteht Neues. Sonst würden wir immer noch in Höhlen leben.

Deshalb: Ein selbstverwaltetes Zentrum für Münster!

 

Fotos von der Kappung der Hausanschlüsse:

Weitere Infos zu den BesetzerInnen:

http://grevener.blogsport.de/

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