Endlagern auf sächsisch…

September 30, 2010 at 10:09 Hinterlasse einen Kommentar

wie 951 deutsche Brennstäbe in Russland verschwinden sollen

von Philipp Matern

Am vergangenen Donnerstag (23. September) erteilte das Bundesamt für Strahlenschutz die Genehmigung, 951 in der DDR-Atomforschungseinrichtung Rossendorf benutzte und zwischenzeitlich in Ahaus zwischen gelagerte Brennstäbe nach Majak in Russland zu transportieren. Diese Brennelemente wurden 2005 nach Ahaus verbracht denn damals hieß es, dass Ahaus ein sicheres Lager für diesen Atommüll sei. Nun lässt das Bundesamt für Strahlenschutz plötzlich verlauten, es handele sich um sehr gefährlichen, im Prinzip kernwaffenfähigen Atommüll. Auffällig ist zudem, wie schnell die Genehmigung für den Transport erteilt wurde, die die sächsische Landesregierung erst am 21. Juli beantragt hat.

Kern des Problems ist allerdings, dass der Transport nach Russland keine Lösung des Lagerungsproblems darstellt, im Gegenteil: Zwar ist Ahaus nur eine Leichtbauhalle, doch in Majak in Russland wird auf Sicherheitsbestimmungen nicht viel Wert gelegt. Seit Gründung der Anlage ist bei mehreren Störfällen mindestens so viel Strahlung freigesetzt worden wie beim GAU von Tschernobyl. Atomare Abfälle wurden jahrelang einfach in das Flussystem der nahegelegenen Tetscha geleitet. Für die Umwelt hat die Atomanlage in Majak katastrophale Folgen. Besonders drastisch zeigt sich dies am Beispiel des Sees Karatschai, der 1991 in Messungen eine Strahlenintensität von 600 Röntgen pro Stunden aufwies. Ungeschützt wäre diese Strahlung für einen Menschen bereits nach einer Stunde tödlich. Zudem begann der See in den 60er Jahren auszutrocknen und verlor einen Grosteil seiner Fläche. Darauf hin trug der Wind den radioaktiven Staub der einst vom See bedeckten Fläche weg und belastete circa eine halbe Millionen Menschen mit einer Strahlendosis ähnlich der Hiroshima-Bombe. Anschließend wurde der See mit Beton versiegelt, jedoch kann für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden, dass das Wasser des Sees mit dem Grundwassersystem in Kontakt kommt. Die Grundwasserströmung führt letztlich zum Arktischen Ozean. So könnte die Strahlung die ganze Welt erreichen.

Ungeachtet solcher Probleme möchte die sächsische Landesregierung möglicherweise schnell Nägel mit Köpfen machen: Nach Informationen von Atomkraftgegnern sind bereits russische Frachtschiffe auf dem Weg zu deutschen Häfen. Zudem hat die nordrheinwestfälische Landesregierung eine Konferenz der Innenministerien abgehalten, welche am vergangenen Dienstag in Düsseldorf statt fand. Allerdings scheint es jetzt zu einer Verzögerung zu kommen: Erstens war zwar für den 6. Oktober ein passendes Frachtschiff einer russischen Reederei in Hamburg angekündigt, doch nun soll dieses Schiff nach Bremerhafen fahren, von dort weiter nach Rotterdam. Zweitens ist die Innenministerkonferenz offenbar geplatzt – Hamburg und Schleswig-Holstein sind, Informationen aus der Innenbehörde Bremens zur Folge, gar nicht erst erschienen.

Um ein deutliches Zeichen zu setzen und den Druck auf die sächsische und nordrhein-westfälische Landesregierung zu erhöhen wird am Montag, 4.10. ab 18 Uhr eine Kundgebung vor dem Zwischenlager Ahaus stattfinden!

Links zum weiterlesen:

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Hinweis: Hafenforum am 30. September 2010 Die deutsche Integrationsdebatte in der New York Times

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